Was ist Fleece? Ein aufgerautes Gestrick aus Polyester – kein Gewebe und keine Naturfaser. Beim Aufrauen wird die Oberfläche zu einem weichen Flor hochgekämmt, und dieser Flor hält ruhende Luft fest; daraus entsteht die Wärme, nicht aus dem Material selbst. Weil die Faser kaum Wasser aufnimmt, wärmt Fleece auch klamm noch und trocknet schneller als jede andere Isolationsschicht. Der Preis dafür: Es ist nicht winddicht, sperrig im Rucksack und neigt zum Pilling.
Inhalt
- Was ist Fleece? Aufgerautes Polyestergestrick, kein Gewebe
- Woher Fleece kommt und warum es so verbreitet ist
- Warum ein aufgerautes Gestrick überhaupt wärmt
- Die Zahl auf dem Etikett: 100, 200, 300
- Micro, Strick, Sherpa, Grid: die Bauarten im Überblick
- Wo Fleece an seine Grenzen kommt
- Fleece waschen, ohne das Gestrick zu ruinieren
- Woran du gutes Fleece erkennst
- Häufige Fragen
Was ist Fleece? Aufgerautes Polyestergestrick, kein Gewebe
Fleece ist eine Konstruktion, keine Faser. Gestrickt wird es aus Polyester, also aus Polyethylenterephthalat – demselben Kunststoff, aus dem Getränkeflaschen bestehen. Entsprechend lässt sich Fleece auch aus recyceltem PET oder aus recyceltem Fleece herstellen, was heute bei vielen Outdoorjacken der Fall ist.
Entscheidend ist der zweite Schritt. Das fertige Gestrick wird aufgeraut: Walzen mit feinen Häkchen ziehen Faserenden aus der Oberfläche heraus und richten sie auf. Dieser Flor ist das eigentliche Fleece. Klassische Polarfleece-Ware ist auf beiden Seiten aufgeraut, bei günstigeren Stoffen fehlt der Flor auf der Außenseite. Wo diese Schicht im Gesamtaufbau sitzt, steht im Beitrag zum Schichtsystem; welches Material sich für die Zwischenschicht wann lohnt, vergleicht der Beitrag zum Midlayer.
Woher Fleece kommt und warum es so verbreitet ist
Entwickelt wurde der Stoff 1979 von der Textilfabrik Malden Mills in Massachusetts, gemeinsam mit Patagonia, das ihn als „Synchilla“ – synthetisches Chinchilla – in den Handel brachte. Den Namen „PolarFleece“ ließ Malden Mills 1981 als Marke eintragen.
Für die Verbreitung war eine Entscheidung wichtiger als die Erfindung selbst: Das Verfahren wurde nicht patentiert. Dadurch konnte jeder Hersteller Fleece produzieren, die Preise fielen schnell, und der Stoff wanderte binnen weniger Jahre von der Bergsteigerausrüstung in jede Kleiderkammer. Das erklärt auch, warum „Fleece“ heute alles bezeichnen kann – von der 300 Gramm schweren Expeditionsjacke bis zur Supermarktweste.
Warum ein aufgerautes Gestrick überhaupt wärmt
Polyester leitet Wärme ähnlich wie andere Kunststoffe, von sich aus wärmt es nicht. Was wärmt, ist die Luft zwischen den aufgestellten Fasern: Stehende Luft leitet Wärme schlecht, und der Flor hält sie an ihrem Platz. Je mehr Volumen das Gestrick aufbaut, desto mehr Luft bleibt gefangen und desto wärmer ist die Jacke.
Daraus folgt der wichtigste Satz über Fleece im Gebrauch: Zusammengedrückt verliert es seine Wirkung. Unter einem straff gezogenen Rucksackgurt isoliert ein dicker Fleecepullover an der Schulter kaum mehr als ein T-Shirt, und eine zu enge Außenjacke darüber nimmt dem Flor genau das Volumen, für das man ihn gekauft hat. Wie sich daraus die Reihenfolge der Schichten ergibt, erklärt das Zwiebelprinzip.
Der zweite Punkt betrifft Feuchtigkeit. Die Polyesterfaser nimmt praktisch kein Wasser in ihr Inneres auf, nasses Fleece hält es nur in den Zwischenräumen des Flors – deshalb fühlt es sich klamm noch warm an und trocknet schnell. Wolle lagert Feuchtigkeit dagegen in der Faser ein, fühlt sich dabei trocken an und braucht deutlich länger, siehe Eigenschaften von Merinowolle.
Die Zahl auf dem Etikett: 100, 200, 300
Fleece wird traditionell in vier Klassen verkauft: micro, 100, 200 und 300. Die Zahlen geben das Flächengewicht in Gramm pro Quadratmeter an. Grob übersetzt heißt das:
- Micro und 100: dünn, glatt, kaum sichtbarer Flor. Die Schicht für die Übergangszeit, zum Laufen und für alles, bei dem man selbst viel Wärme produziert.
- 200: der klassische Allrounder für Bergtouren. Wärmt beim Stehen, staut beim Gehen nicht sofort.
- 300: Winterware für Pausen, Standlager und kalte Morgen am Zelt. Beim Aufstieg fast immer zu viel.
Diese Einteilung ist Branchenkonvention, keine Norm. Kein Prüfinstitut kontrolliert, was ein Hersteller „200er“ nennt, und ein hoch aufgebautes Gestrick mit 180 Gramm kann mehr Luft halten als ein flach gepresstes mit 220. Deshalb ist die Zahl ein Anhaltspunkt und kein Wärmewert – und bei vielen Jacken steht sie gar nicht auf dem Etikett, auch bei unseren nicht.
Zum Merken
Die Grammatur beschreibt das Gewicht, nicht die Wärme. Zwei Stoffe mit derselben Zahl können sich deutlich unterscheiden, je nachdem wie hoch der Flor aufgebaut ist. Im Laden ist der Handgriff aussagekräftiger als das Etikett: zusammendrücken, loslassen und schauen, ob das Gestrick von selbst wieder Volumen aufbaut.
Micro, Strick, Sherpa, Grid: die Bauarten im Überblick
Neben dem Gewicht unterscheidet sich Fleece in der Bauart – also darin, wie der Flor aufgebaut ist und welche Seite ihn zeigt. Das entscheidet über Optik, Scheuerfestigkeit und darüber, wie gut die Jacke beim Aufstieg Wärme abgibt.
| Bauart | Woran du sie erkennst | Stärke | Beim Aufstieg |
|---|---|---|---|
| Microfleece | dünn, glatt, Flor kaum sichtbar | leicht, trocknet sehr schnell | gut |
| 200er Polarfleece | beidseitiger, deutlich sichtbarer Flor | ausgewogen, robust | gut |
| 300er Polarfleece | dick, hoher Flor, steht von selbst | wärmste Variante | staut Wärme |
| Strickfleece | außen Strickoptik, innen Flor | scheuerfester, weniger Sportoptik | gut |
| Sherpa- oder Teddyfleece | langer, lockiger Flor wie Lammfell | sehr weich, viel Volumen | verfilzt, nimmt Schmutz an |
| Gridfleece | Waffel- oder Gittermuster auf der Innenseite | gutes Verhältnis Wärme zu Gewicht | sehr gut |
| Fleece mit Membran | raschelt, innen glatte Sperrschicht | winddicht | schlechter atmungsaktiv |
Die Spalte „Beim Aufstieg“ bewertet nur die Eignung bei eigener Wärmeproduktion, nicht die Qualität des Stoffs: Ein 300er Fleece ist nicht schlechter, es gehört an einen anderen Platz im Tagesablauf. Die Bezeichnungen sind nicht geschützt, Hersteller verwenden sie unterschiedlich.
Bei unseren Fleecejacken ist es ein Strickfleece: außen eine Strickoptik, innen der wärmende Flor. Das Material heißt Knit Tech und sitzt in der Fleecejacke Herren und der Fleecejacke Damen. Der Vorteil dieser Bauart ist die Außenseite: Wo der Rucksackgurt scheuert, liegt glattes Gestrick statt aufgestellter Faserenden.
Wo Fleece an seine Grenzen kommt
Ein Materialartikel ohne Nachteile wäre Werbung. Fleece hat vier, und drei davon lassen sich nicht wegkaufen, nur einplanen.
- Nicht winddicht. Durch den offenen Flor zieht Wind hindurch. Auf dem Grat braucht Fleece eine Außenschicht darüber – und deren Wasserabweisung lässt mit der Zeit nach, siehe Jacke imprägnieren und DWR-Imprägnierung.
- Sperrig. Unter den Isolationsmaterialien hat Fleece das schlechteste Verhältnis von Wärme zu Packmaß. Wer auf Gewicht und Volumen achtet, merkt das sofort im Rucksack.
- Pilling. Besonders günstiges Polyester neigt dazu, kleine Knötchen zu bilden, dort wo etwas reibt: an Schultern und Hüftgurt. Das kostet Optik, aber kaum Wärme – solange das Gestrick noch Volumen hat.
- Faserabrieb in der Wäsche. Beim Waschen lösen sich Mikrofasern aus dem Flor und gelangen als Mikroplastik ins Abwasser; beim Trocknen im Trockner geben Polyesterstoffe zusätzlich Fasern an die Luft ab. Belastbare Mengenangaben dazu gibt es für einzelne Kleidungsstücke nicht – die Richtung ist belegt, die Zahl wäre geschätzt.
Was man dagegen tun kann, ist unspektakulär: seltener waschen, dafür richtig, und den Trockner weglassen. Das verringert den Abrieb und verlängert gleichzeitig die Lebensdauer des Flors.
Fleece waschen, ohne das Gestrick zu ruinieren
Fleece ist pflegeleicht, hat aber zwei empfindliche Punkte: Hitze und Weichspüler. Hitze lässt die Polyesterfasern verkleben, das Gestrick wird hart und pillt danach stärker. Weichspüler legt sich als Film auf die Faser und blockiert den Feuchtigkeitstransport – also genau die Eigenschaft, für die man Fleece trägt.
In die Maschine kommt deshalb ein Funktionswaschmittel ohne Weichmacher und Aufheller, Programm und Temperatur nach Pflegeetikett, ohne Trockner. Warum normales Vollwaschmittel bei Funktionsstoffen schadet, steht ausführlich unter Funktionswäsche waschen. Alle Mittel liegen in der Kategorie Pflegeprodukte.
Zwei Dinge, die Fleece nicht braucht: eine Imprägnierung und ein Wollwaschmittel. Fleece soll Feuchtigkeit weitergeben, nicht abweisen – imprägniert gehört die Außenjacke, bei einer Softshell nach der Anleitung für Softshell. Und das enzymfreie Wollwaschmittel ist für tierische Fasern gedacht, siehe Merinowolle waschen; für Polyester bringt es keinen Vorteil.
Woran du gutes Fleece erkennst
Weil die Bezeichnungen nichts garantieren, entscheidet der Griff. Vier Punkte, die sich im Laden in einer Minute prüfen lassen:
- Rückstellvermögen. Den Stoff in der Faust zusammendrücken und loslassen. Baut er von selbst wieder Volumen auf, hält er Luft. Bleibt er platt, wärmt er wenig – unabhängig von der Dicke.
- Flor auf beiden Seiten. Klassisches Polarfleece ist beidseitig aufgeraut. Fehlt der Flor innen, fehlt genau die Schicht, die am Körper Luft festhält.
- Die Stelle am Rucksackgurt. Dort scheuert es zuerst. Glattes Gestrick oder ein verstärkter Schulterbereich halten länger als hoher, offener Flor.
- Reißverschluss und Kragen. Ein durchgehender Frontreißverschluss ist bei Fleece die Temperaturregelung: öffnen beim Aufstieg statt ausziehen. Ein hoher Kragen schließt den Hals, an dem sonst die meiste Wärme verloren geht.
Nicht täuschen lassen sollte man sich vom Griff allein: Weiches Sherpafleece fühlt sich am Bügel am besten an und ist beim Gehen der ungünstigste Stoff, weil es Wärme staut und Schmutz annimmt.
Häufige Fragen
Ist Fleece aus Wolle?
Nein. Fleece ist ein Gestrick aus Polyester, also aus Kunstfaser, und hat mit Schafwolle nur die weiche Oberfläche gemeinsam. Der Name kommt vom englischen Wort für Vlies und beschreibt die Optik, nicht den Rohstoff. Es gibt Mischungen mit Wollanteil, die sind aber die Ausnahme und stehen dann so im Etikett.
Ist Fleece wasserdicht?
Nein, und auch nicht wasserabweisend. Fleece lässt Wasser durch den offenen Flor hindurch und hält es in den Zwischenräumen. Dass es sich dabei weiter warm anfühlt, ist sein Vorteil – Regenschutz ist Aufgabe der Außenschicht. Imprägnieren hilft bei Fleece nicht, es würde nur den Feuchtigkeitstransport behindern.
Was bedeutet 200er Fleece?
Die Zahl ist das Flächengewicht in Gramm pro Quadratmeter: 200er Fleece wiegt rund 200 Gramm pro Quadratmeter. Üblich sind micro, 100, 200 und 300, wobei die höheren Zahlen wärmer und sperriger sind. Eine Norm steht dahinter nicht, deshalb ist die Angabe ein Anhaltspunkt und kein Messwert.
Warum riecht mein Fleece nach einer Tour?
Geruch entsteht durch Bakterien, die Schweiß abbauen. Auf der glatten Polyesterfaser finden sie bessere Bedingungen als in der Wollfaser, die Feuchtigkeit in ihr Inneres einlagert. Ein Funktionswaschmittel entfernt die Rückstände, die den Geruch halten; Weichspüler verschlimmert das Problem.
Kann Fleece in den Trockner?
Besser nicht, auch wenn das Etikett es erlaubt. Hitze lässt Polyesterfasern verkleben, der Flor verliert Volumen und pillt danach stärker. Fleece trocknet an der Luft ohnehin schnell, und ohne Trockner gibt der Stoff weniger Fasern ab.
Was ist der Unterschied zwischen Fleece und Softshell?
Fleece ist eine Isolationsschicht mit offenem Flor, Softshell ein dicht gewebtes, elastisches Außenmaterial mit wasserabweisender Ausrüstung. Fleece wärmt, Softshell hält Wind und Spritzwasser ab. Manche Softshells haben innen einen angerauten Flor – das ist dann beides in einem Stück, mit den Nachteilen beider Bauarten.
Strickfleece, wie oben beschrieben
Fleecejacke Herren mit Knit Tech
Die Bauart aus der Tabelle in einem konkreten Stück: außen Strickoptik, innen der wärmende Flor. Die glatte Außenseite liegt genau dort, wo der Rucksackgurt scheuert, und das Knit-Tech-Gestrick lässt beim Aufstieg überschüssige Wärme entweichen statt sie zu stauen. Die Temperaturregelung übernimmt der durchgehende Frontreißverschluss – öffnen statt ausziehen –, der hohe Kragen mit Kinnschutz schließt den Hals ab. Dieselbe Jacke gibt es als Fleecejacke Damen in XS bis XL.
Knit Tech · durchgehender Frontreißverschluss · hoher Kragen mit Kinnschutz · zwei Fronttaschen & Brusttasche · Größen S bis XXL · Beige oder Marineblau
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